In Großbritannien ist die Sonnenbank so etwas wie ein „Unterschichtsphänomen“. Im bescheidenen Viertel, wo ich aufgewachsen bin, sind einige regelmäßig hingegangen. Die Logik war dieselbe, wie die, die hinter den großen Fernsehern und Stereoanlagen steckten: Bloß nicht arm aussehen.
An der Uni war es das genaue Gegenteil. Unter den Röhren waren nur die Reichsten der Reichen: Der Druck, ständig so auszusehen, als ob man letztes Wochenende mal eben nach St. Tropez geflogen wäre, war groß.
Generalisiert unter der breiten Bevölkerung hatte sich das Phänomen aber nicht. Im Gegensatz zu Deutschland: Hier kenne ich viele Menschen, die zur so genannten „Mittelschicht“ gehören, die aber regelmäßig ins Sonnenstudio gehen. Menschen, die einen Beruf gelernt oder ein Fach studiert haben. Menschen, die nicht den Druck spüren, einen Riesenflachbildschirmfernseher zu kaufen, die aber ständig braun bzw (Kürbis-)orange aussehen müssen.
Wo kommt das her? Der Deutsche ist allen Klischees – und meinen Erfahrungen – zufolge sonst oft weniger beschäftigt mit Äußerlichkeiten als Menschen anderer Kulturen.

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